Kuba warnt vor US-Angriff auf Venezuela, Russland sagt Hilfe zu
(...) Die Behauptung der US-Regierung Venezuela sei eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA ist "lächerlich. (...)
Qelle: amerika21, von Ani Dießelmann
Von Ani Dießelmann amerika21 Caracas/Washington/Havanna. Kuba hat angesichts der jüngsten Vorfälle im Karibikraum vor einer möglichen militärischen Aggression der USA gegen Venezuela gewarnt. In einer offiziellen Erklärungheißt es, Washington ziehe militärische Kräfte zusammen, halte zivile Schiffe an und
verbreite Kriegsrhetorik. Ziel sei es, eine Aggression zu rechtfertigen. Die kubanische Regierung bezeichnete die Darstellung, Venezuela sei eine Bedrohung für die nationale Sicherheit der USA, als "lächerlich und nicht haltbar". Sie rief zur Solidarität in Lateinamerika und der Karibik auf und verwies auf die Verletzung grundlegender Prinzipien der UN-Charta.
Die US-Angriffe haben auch in Bogotá Besorgnis ausgelöst. "Natürlich ist Venezuela besorgt, ebenso wie die gesamte Region, über die Möglichkeit einer Intervention", sagte die kolumbianische Außenministerin Rosa Villavicencio. "Wir verteidigen die Souveränität der Region und bekräftigen die Erklärung Lateinamerikas als Friedenszone."
Russland bekräftigte seine Unterstützung Venezuelas. Die venezolanische Vizepräsidentin Delcy Rodríguez dankte Moskau offiziell für dessen Rückhalt angesichts der "militärischen Bedrohung" durch die USA. Bei einem Treffen mit dem russischen Botschafter in Caracas wurde die bilaterale Agenda vertieft, insbesondere das Strategische Kooperations- und Partnerschaftsabkommen zwischen Präsident Maduro und Präsident Putin. Russland hatte bereits im August vor der Anwendung militärischer Gewalt gegen souveräne Staaten gewarnt und betont, dass auch "verdeckte Einmischungen" abzulehnen seien.
Inzwischen hat die US-Regierung laut eigenen Angaben drei Angriffe auf angebliche Drogenschmugglerboote durchgeführt, bei denen insgesamt 17 Menschen starben. Der letzte Angriff fand am Freitag statt und wurde laut US-Präsident Donald Trump von ihm persönlich angeordnet. Dabei seien drei "Narco-Terroristen" getötet worden, so Trump.
Venezuela wirft den USA außerdem vor, einen venezolanischen Trawler mit neun Fischern angegriffen und in der ausschließlichen Wirtschaftszone des Landes festgehalten zu haben (amerika21 berichtete). Das Schiff Carmen Rosa befand sich 48 nautische Meilen nordöstlich der Insel La Blanquilla, als es nach Regierungsangaben von der US-Fregatte USS Jason Dunham attackiert wurde. Caracas spricht von einem klaren Bruch internationalen Rechts und einer gezielten Provokation.
Parallel dazu erhebt die venezolanische Regierung schwere Vorwürfe gegen die US-Drogenbehörde DEA. Innenminister Diosdado Cabello erklärte, Washington plane eine "Operation falscher Flagge", um Venezuela mit Drogenhandel in Verbindung zu bringen. Er verwies auf eine jüngste Beschlagnahmung von 3,7 Tonnen Kokain, bei der auch GPS-Geräte, Satellitentelefone, Funkgeräte und Treibstoff sichergestellt worden seien. Insgesamt seien seit Januar rund 60 Tonnen Drogen abgefangen worden, was die höchste Menge seit dem Ende der Kooperation mit der DEA sei.
Cabello nannte den mutmaßlichen Drogenhändler Levi Enrique López Bati, der nach seinen Angaben Kontakte zur DEA pflegt und Teil einer Inszenierung sei. Ziel sei es, Venezuela international zu diskreditieren und eine militärische oder politische Intervention zu rechtfertigen. Während Caracas seine eigenen Einsätze als rechtsstaatlich bezeichnet, wirft Cabello den USA vor, Schiffe auf hoher See ohne Beweise zu bombardieren und damit Narrative ohne Zeugen zu konstruieren.
Auch auf militärischer Ebene verschärft sich die Lage. Verteidigungsminister Vladimir Padrino López berichtete, dass die Zahl der US-Aufklärungsflüge im Karibikraum im August und September gestiegen sei. Fast täglich würden Spezialflugzeuge wie die RC-135, die KC-135 Stratotanker und die E-3 Sentry ohne ordnungsgemäße Flugpläne über die "Informationsregion" von Caracas gesichtet. Venezuela wertet dies als gezielte Provokation.
Die venezolanische Regierung hat ihrerseits mehrere Maßnahmen zur Verteidigung der Souveränität ergriffen. Sie gründete das Beratungsorgan Consejo Nacional por la Soberanía y la Paz, um den Austausch mit verschiedenen Gruppen der Gesellschaft über die Bedrohung durch die US-Streitkräfte zu fördern und Schutzpläne zu entwickeln. An der Gründung nahmen 434 Vertreter:innen unterschiedlicher Gremien teil, darunter Unternehmer:innen, Landwirt:innen und Akademiker:innen.
Zugleich wurde der Plan Independencia 200 gestartet, mit dem das Land militärisch und zivil auf mögliche Aggressionen vorbereitet werden soll.
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