Nie wieder Faschismus


16. April 2020   Aktuell - Nie wieder Faschismus

Pressemitteilung der Vereinigung d. Verfolgten des Naziregimes

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten

Landesvereinigung Niedersachsen e. V.

Mitglied in der Fédération Internationale des Résistants - Association antifasciste

International Federation of Resistance Fighters- Association of Anti-fascist

Internationale Föderation der Widerstandskämpfer - Bund der Antifaschisten

Pressemitteilung Nr.1/2020 Hannover, 31. März 2020

Betr.: AfD-Landtagsfraktion segelt unter falscher Flagge. VVN-BdA warnt vor Tricksereien der AfD.

Alle sind aufgerufen: Bleibt wachsam! Dass der "Niedersachsen-Abend" der AfD am 15. April endgültig abgesagt ist, steht für die VVN-BdA noch nicht fest. "Wir wissen, dass die Rechtspopulisten mit Björn Höcke als ihrer Galionsfigur auch nach der Corona-Krise diese Großveranstaltung in Niedersachsen planen“, sagt Andreas Nolte von der VVN-BdA Niedersachsen.

Der Landessprecher weist darauf hin, dass bereits bei der Anmeldung der Veranstaltung „unter falscher Flagge gesegelt“ wurde, als ein AfD-Funktionär versuchte, den vor Kurzem abgesagten Termin als private Veranstaltung zu kaschieren. Auch durch die Aufmerksamkeit von Antifaschistinnen und Antifaschisten wurde jedoch schnell bekannt, dass sich dahinter tatsächlich eine Veranstaltung mit Höcke als Fraktionsvorsitzendem der AfD im Thüringer Landtag verbarg, um sich in der „Alten Zeche“ in Barsinghausen für den "Coup" der AfD beim Hintertreiben des Parlamentarismus in Thüringen bejubeln zu lassen.

Nolte stellt dazu weiter fest: „Die AfD versuchte nicht zum ersten Mal verdeckt und unter falschem Namen eine Großveranstaltung in Niedersachsen durchzuführen. Dass sie es heimlich versuchen muss, entlarvt sie schon. Hier beginnt ihre politische Verlogenheit, die mit vordergründig 'gerechten', aber in Wirklichkeit populistischen, ausgrenzenden und rassistischen Forderungen endet, um leicht Stimmen von Wählerinnen und Wählern einzusammeln und diese Gesellschaft zu spalten. Zugleich offenbart sie mit ihrer Heimlichtuerei ihre Angst vor der demokratischen Öffentlichkeit.“

Da dieser 15. April als 75. Jahrestag der Befreiung des KZ Bergen-Belsen ein ganz besonderes Datum ist, vermutet die VVN-BdA, dass die AfD diesen Termin extra für ihre Hetzveranstaltung ausgesucht hat. „Wir müssen davon ausgehen, dass die AfD Niedersachsen ihre Propagandaveranstaltung mit Höcke ganz bewusst für diesen Befreiungstag geplant hatte, um die Opfer und den Gedenktag zu verhöhnen,“ befürchtet Mechthild Hartung, ebenfalls Landessprecherin der VVN-BdA.

"Wir rufen alle demokratischen Kräfte dazu auf: Bleibt wachsam! Sorgt gemeinsam überall im Land dafür, dass RechtspopulistInnen und FaschistInnen dauerhaft keine Möglichkeit haben, Hetzveranstaltungen, wie die mit Höcke geplante, zu veranstalten“, appellieren die beiden LandessprecherInnen der VVN-BdA an die Öffentlichkeit.

 

12. April 2020   Aktuell - Nie wieder Faschismus

Weiß, männlich, haßerfüllt - Amerikas rechte Szene

Washington - Wohl nie zuvor waren Gruppierungen der extremen Rechten in den USA prominenter als in der Ära Donald Trumps.

Die Zusammenstöße bei einer Rassisten-Demonstration in Charlottesville offenbarten ihren Fanatismus, ihre Militanz und ihren hohen Organisationsgrad.

Amerikanische «White Power»-Gruppierungen durchdringen und berühren sich, bilden aber keinen insgesamt geschlossenen Block einer «Weißen Macht». Die rechte Szene ist zerfasert, ideologiegetränkt, unübersichtlich und gefährlich. Ein Blick auf den rechten Rand.

Weiße Suprematisten sind überzeugt, dass es so etwas wie eine weiße Rasse gibt. Sie verwenden diesen Begriff synonym für Menschengruppen bestimmter Hautfarbe, Abstammung oder Zugehörigkeit. Suprematisten wie die «Aryan Nations» glauben fanatisch an die biologische Überlegenheit von Menschen europäischen Ursprungs. In multiethnischen Ländern wie den USA sind sie von einer natürlichen Hierarchie überzeugt, an deren Spitze die Weißen stehen.

 

In Charlottesville waren auch Suprematisten der Gruppierung «Vanguard America» (Avantgarde, Vorreiter) vertreten, sie trugen schwarze Schilde mit weißem Kreuz.

Amerikanische Nationalisten denken ähnlich und stehen den Suprematisten nahe, unterscheiden sich aber in einer wichtigen ideologischen Komponente. Sie lehnen die Idee einer multiethnischen Gesellschaft ab, ihr Ziel ist ein rein weißer Staat.

Gerade in Deutschland ist es irritierend zu sehen, wie Neonazis in den USA Hakenkreuzfahnen offen durch die Straßen tragen, oder dass «Sieg-Heil»-Rufe und braune Nazi-Uniformen nicht verboten sind. Gedeckt wird das von der in der US-Verfassung festgeschriebenen Meinungsfreiheit, sie ist den Amerikanern ein besonders hohes Gut.

Amerikanische Neonazis haben Ideologie und Symbolik der Nationalsozialisten übernommen. Adolf Hitler ist ihnen Visionär, Vorbild und Held. Sie hetzen gegen Juden, Nicht-Weiße, Homosexuelle oder Behinderte. Ende der 60er Jahre wurde eine amerikanische Nazi-Partei gegründet, sie hatte aber keinen rechten Erfolg.

«Heute agieren Hass-Webseiten wie "Stormfront" als ein dezentralisierter Hub für neonazistische Ideen und Debatten», schreibt «The Atlantic». Das National Socialist Movement NSM ist eine der größten Neonazivereinigungen der USA.

In Charlottesville marodierten auch Anhänger des Ku Klux Klan. In einer Art dritter Auflage entstand der KKK in den 60er Jahren aufs Neue als Reaktion auf die Bürgerrechtsbewegung der Afroamerikaner. Auf das Konto des Klans gehen zahlreiche Gräueltaten und Morde. Ein bekannter Führer war David Duke. Im Wahlkampf 2016 widerstrebte es Donald Trump, sich klar von dem rechtsradikalen Hetzer zu distanzieren. Der KKK wird auf 5000 bis 8000 Mitglieder geschätzt.

 

Den Begriff «Alt-Right» prägte Richard Spencer 2008. Er verbrämt als so etwas wie «Alternative Rechte» das neonazistische, rechtsradikale und rassistische Gedankengut der Bewegung - so redete Spencer einer «friedlichen ethnischen Säuberung» der USA das Wort. Die «Alt Right» ist eng verzahnt mit Suprematisten und Nationalisten, agiert aber oft verdeckter. Der Autor und Aktivist Milo Yiannopoulos ist eine prominente Figur.

Die Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center SPLC verweist auf zahlreiche junge und gut etablierte Mitglieder der Bewegung. Sie versuche erfolgreich, offen im rechtskonservativen Spektrum zu fischen.

Die «Alt Right»-Szene ist in sich zerfasert. Allerdings eint sie ihre Frontstellung gegenüber Muslimen, Einwanderung, Feminismus, Gleichstellung und pluralen Gesellschaften. Sehr viele Anhänger sind Antisemiten. Sie sehen sich auf einem Feldzug gegen Linke, einige auch gegen die liberale Demokratie als solche. Begeistert unterstützten sie die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten.

Im «New Yorker» führte Evan Osnos den Beweis, wie offen und wie früh Donald Trump Rechte in seine nationale Koalition einreihte.

Als Chef von Breitbart News bezeichnete Steven Bannon seine Publikation als «Sprachrohr der "Alt-Right"». Heute wirkt Bannon als politischer Chefstratege im Weißen Haus.

Den «alten Süden» tragen die Neo-Konföderierten im fanatisierten Herzen, unter der Flagge der Konföderierten wollen sie zurück zu Geist und Leben der Südstaaten vor dem amerikanischen Bürgerkrieg. Sie sehen sich als Opfer des Nordens, der die Sklaverei abschaffte. Sie sind antidemokratisch, schwulenfeindlich und rassistisch. Ihr historischer Bezug unterscheidet sie ideologisch von anderen Rechtsextremen, wenn es auch Schnittmengen mit Suprematisten gibt.

In Charlottesvile steuerte ein Mann ein Auto in eine Menschenmenge. Verdächtigt wird James Fields, 20 Jahre alt. Die Seite «Buzzfeed» berichtete danach zuerst von Fields Facebookseite. Dort veröffentlichte er früher Propagandabilder, die einen weiten Bogen durch die amerikanische Rechte schlagen und sich wie ein Kondensat ausmachen. So zeigte Field Bilder der «Alt-Right» und ihrer Prominenter, von Neonazis in Uniform, auch von Hitler als Kind. Daneben zeigt eine Zeichnung Donald Trump. Er sitzt auf einem Thron, und er trägt eine goldende Krone.

 

The Atlantic: Why Trump wouldn't call out Neonazism

The Far Right in America

Southern Poverty Law Center zur "Alt Right"

Anti Defamation League zu Vanguard-Nationalisten

Buzzfeed "What we know about James Field"

The New Yorker: Evan Osnos über Donald Trump und die Rechte

 
dpa-infocom GmbH
26. Januar 2020   Aktuell - Nie wieder Faschismus

„Jeder Tag ist ein Holocaust-Gedenktag“ – Moshe Zuckermann über den 27. Januar

 

Von Tilo Gräser, 27.1.2020

 

Die Eltern von Mose Zuckermann haben die Judenvernichtung in Europa, den Holocaust bzw. die Shoah, überlebt. Der Sohn ist ein renommierter Historiker und Philosoph und gehört zu den deutlichsten jüdischen Kritikern der israelischen Politik. Im Interview spricht er über das Gedenken und erklärt, warum er Israel kritisiert.

 

Professor Zuckermann, was bedeutet für Sie als Sohn von Überlebenden des KZ Auschwitz dieser Tag, der an die Befreiung des KZ 1945 durch die Rote Armee erinnert? Wie haben Sie das als Kind erfahren, was Ihre Eltern erleben und erleiden mussten?

 

Weder der in Israel offiziell festgelegte noch der im Jahr 2005 ausgerufene internationale Holocaust-Gedenktag bedeuten mir etwas. Für mich ist jeder Tag ein Holocaust-Gedenktag, es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an den Holocaust denke. Mit kollektiven Gedenktagen kann ich nicht sehr viel anfangen, schon gar nicht, wenn sie für fremdbestimmte Zwecke vereinnahmt werden.

 

Die große Leistung der Roten Armee im Zweiten Weltkrieg verbindet sich für mich nicht unbedingt mit der Befreiung von Auschwitz. Dass aber diese ungeheure Leistung im Westen immer weniger Würdigung erfährt und die Erinnerung an sie verblasst, ist für mich ein Zeichen dafür, wie selbst dieses geschichtsträchtige Moment inzwischen ideologisiert worden ist.

 

Erfahren habe ich vom Shoah-Schicksal meiner Eltern von ihnen selbst. Im Gegensatz zu vielen Familien von Überlebenden wurde bei uns zuhause darüber geredet.

 

In Deutschland ist dieser Tag der offizielle Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus. Wenn Sie dazu eine Rede vor dem Deutschen Bundestag halten würden, was wäre für Sie das Wichtigste, dass Sie der bundesdeutschen Politik und Gesellschaft angesichts von Geschichte und Gegenwart sagen würden?

 

Dass man dieses welthistorische Geschichtsereignis als das erinnern möge, was es war: ein Zivilisationsbruch, wie es Dan Diner einmal genannt hat. Als solches müsse es – bei aller Singularität des jüdischen Schicksals in diesem Ereignis – als etwas gedacht und erinnert werden, das alle Menschen angeht, als ein nicht mehr wegzudenkendes Moment der conditio humana (Bedingung des Menschseins).

 

Ich würde auch darauf hinweisen, dass man in eine ideologische Falle geraten mag, wenn man den Holocaust und die Gründung des Staates Israel, mithin die Raison d'être des Zionismus, in eine allzu lineare, meines Erachtens verkürzte Kausalverbindung setzt. Aber keine Sorge – der deutsche Bundestag würde sich nie einfallen lassen, mich zu einer solchen Rede einzuladen.

 

Wo sehen Sie die deutsche historische Verantwortung heute angesichts dieses monströsen Verbrechens an rund sechs Millionen Menschen?

 

Die deutsche Verantwortung hat einen eher symbolischen Wert für mich. Deutschland sollte führend sein in der Bekämpfung von Rassismus, Antisemitismus und allen Formen menschlicher Repression. Den materiellen Tauschwert dieser Verantwortung hat man allerdings schon sehr früh zweckrational ausgehandelt, in den sogenannten „Wiedergutmachungsabkommen“ von 1952. Wenn sich aber aus dieser Form der Verantwortung lediglich ein Bekenntnis zu Israel ableitet, und Israel das ist, was es mittlerweile geworden ist, dann scheint es mir mit der „deutschen Verantwortung“ in dem Sinne, wie ich sie sehe, nicht sehr weit her zu sein.

 

Gegenwärtig und auch zu diesem Anlass wird vor dem Wiederaufkommen des Antisemitismus hierzulande gewarnt. Wie schätzen Sie diesen heute ein, auch angesichts Ihrer Kritik an jenen, die andere des Antisemitismus beschuldigen, was selbst Sie getroffen hat?

 

Einen Bodensatz des Antisemitismus hat es in Deutschland immer gegeben, auch in der gesamten Geschichte der alten BRD. Das hat Wolfgang Benz sehr akribisch erforscht und dargelegt. Deshalb gibt es kein „Wiederaufkommen“ des Antisemitismus in Deutschland, sondern lediglich eine  Durchbrechung seines Tabus. Das Hauptproblem liegt für mich darin, dass die fremdbestimmte Instrumentalisierung des Antisemitismus-Vorwurfs in Deutschland mittlerweile solche Ausmaße und Formen angenommen hat, dass selbst Leute wie ich des Antisemitismus bezichtigt werden. Das hängt damit zusammen, dass man in Deutschland sehr selten fähig ist, Judentum, Zionismus und Israel auseinanderzuhalten. Aber auch damit, dass der Antisemitismus-Begriff selbst im deutschen Diskurs total erodiert und verhunzt worden ist.

 

Wie schätzen Sie das Erstarken der „Alternative für Deutschland“ (AfD) ein, die manche als neue Nazis sehen und die eine Gruppe von Juden in ihren Reihen haben?

 

Als ein letztendliches Versagen der Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit. Dass es im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts in Deutschland eine AfD und eine Bezichtigung von linken Juden als Antisemiten geben kann,  bezeugt für mich, dass etwas gründlich schiefgegangen ist. Dass sich Juden dieser Partei anzuschließen vermögen, zeigt mir, dass nicht nur Deutsche, sondern auch Juden die Vergangenheit nicht wirklich und gründlich genug im aufgeklärt-emanzipatorischen Sinne aufgearbeitet haben. Der Faschismus ist offenbar noch unter Deutschen gewärtig. Und wie sich herausstellt, auch unter Juden.

 

Sie waren früher Anhänger des Zionismus und sind heute Kritiker der israelischen Politik. Warum kritisieren Sie die Politik des Landes, das sich auch auf die Überlebenden der Vernichtung der europäischen Juden beruft?

 

Weil dieses Land sich dieser Berufung auf die Überlebenden der Vernichtung der europäischen Juden lediglich ideologisch, also als verlogenes Lippenbekenntnis und perfides Scheinargument, bedient. Weder hat man sich je um das Schicksal der Überlebenden in Israel wirklich gekümmert – viele von ihnen leben heute noch in Armut – noch hat man die moralischen Schlussfolgerungen aus der Katastrophe je wirklich gezogen.

 

Die Politik dieses Landes – vielleicht von Anbeginn, aber auf jeden Fall seit 1967 – war den Palästinensern gegenüber repressiv, gewaltdurchwirkt und barbarisch. Wie soll man eine solche Politik, wenn man sich einer humanistisch-linken Gesinnung verpflichtet weiß, nicht kritisieren? Zu fragen ist vielmehr, wieso so wenige Juden diese Politik kritisieren und ob die Unterlassung dieser Kritik nicht gerade eine Dimension des Verrats an den historischen Opfern in sich birgt.

 

Welche Rolle spielt die Judenvernichtung in Europa durch die deutschen Faschisten heute für Israel als selbsternannten Staat der Juden? Welche Lehren werden daraus gezogen und sollten daraus gezogen werden?

 

Der Zionismus als staatstragende Ideologie Israels hat das Holocaust-Andenken einzig unter dem Aspekt des zionistischen Interesses rezipiert und praktiziert. Israel wird als die historische Schlussfolgerung aus dem Holocaust angesehen, wodurch der Holocaust in Israels Ideologie zum Argument verkommen ist. Es will zuweilen scheinen, als würde Israel von israelischen Politikern – und nicht nur von ihnen – als Telos (Endzweck) des Holocaust verstanden. In der Tat ist es so, dass der Antisemitismus in der Welt den zionistischen Staat nur insofern bekümmert, als es der Raison des Staates dient. Und das heißt letztlich – je mehr Antisemitismus in der Welt, desto günstiger für den Staat Israel. Man ist in Israel nicht empört oder gar bestürzt, wenn man von antisemitischen Vorfällen in der Welt hört. Man ist eher schadenfreudig.

 

Am Freitag hat die Auschwitz-Überlebende Rachel Oschitzki (Jahrgang 1928) in Berlin Deutschland gelobt, weil es viel aus der Geschichte gelernt habe und Israel unterstütze. Sie beklagte auch, über Israel werde zu kritisch und nur das Negative berichtet, aus ihrer Sicht wegen arabisch bezahlter Propaganda und deutsch-arabischen Wirtschaftsinteressen. Gleichzeitig warf sie den Arabern Antisemitismus vor und sagte unter anderem, die Palästinenser könnten in 22 arabischen Ländern leben, wo auch Juden vertrieben worden seien. Würden sie dorthin umsiedeln, könnte das gegenwärtige „schreckliche Leid“ der Palästinenser in Israel bzw. Gaza und Westjordanland beendet werden. Die verfolgten Juden hätten dagegen nur das eine Land, Israel. Sie hob zugleich den jüdischen Humanismus hervor. Was würden Sie Frau Oschitzki darauf antworten?

 

Es ist nicht neu, dass Holocaust-Überlebende selbst einer barbarischen Ideologie anhängen mögen. Geschlagene Kinder können sich selbst zu schlagenden Eltern entwickeln. Frau Oschitzki hat keinem anderen Juden etwas voraus, weil sie Shoah-Überlebende ist. Überlebender-Sein ist eine Lebenstragödie, kein einsetzbares Kapital.

 

Eines kann sie sich gleich abschminken: Wenn sie den Palästinensern anrät, aus Palästina abzuziehen, dann soll sie gefälligst von jüdischem Humanismus schweigen.

 

Worin ist ihr Gerede besser als das von jüdisch-israelischen Faschisten vom Schlage Meir Kahanes, Rechavam Zeevis oder Avigdor Liebermanns (und vieler anderer israelischer Rechtsradikaler)? Was aus ihrem Munde tönt, ist eine allseits bekannte propagandistische Ideologie der israelischen Rechten, nichts anderes als die Apologie der an den Palästinensern verübten israelischen Verbrechen. Dass dabei Frau Oschitzki ihren Frieden mit Deutschland geschlossen hat, nicht so sehr aber mit den Palästinensern, mit denen es den Frieden zu schließen gilt, wenn es um die Zukunft des Staates Israel geht, zeigt nur, wie schlimm es um die Aufarbeitung der Vergangenheit auch unter Juden oft aussieht. Dass dabei eine Shoah-Überlebende zu Wort kommt, markiert nicht zuletzt die Grenzen des Holocaust-Diskurses im heutigen Deutschland.

 

Moshe Zuckermann wurde als Sohn polnisch-jüdischer Holocaust-Überlebender in Israel geboren und wuchs in Tel Aviv auf. Seine Eltern emigrierten 1960 nach Frankfurt am Main. Nach seiner Rückkehr nach Israel 1970 nahm er sein Studium auf. Später lehrte er am Institute for the History and Philosophy of Science and Ideas der Universität Tel Aviv. Von 2000 bis 2005 leitete er das Institut für Deutsche Geschichte an der Universität Tel Aviv. 2006 und 2007 war er Gastprofessor am Institut für Jüdisch-Christliche Forschung (IJCF) der Universität Luzern. Zuckermann ist regelmäßig mit Beiträgen für Hörfunk, Fernsehen und verschiedene Printmedien tätig.

 

 

10. März 2020   Aktuell - Nie wieder Faschismus

Defender - Deutschland marschiert, zwar nicht mehr voran, aber im Gleichschritt mit, das ist schlimm genug...

Beitrag: Roswitha Engelke

Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee der Sowjetunion das nationalsozialistische Vernichtungslager Auschwitz und 2020 ziehen deutsche Soldaten an die Grenzen Russlands, um ihre Vernichtungswaffen zu präsentieren ...

 

16. Januar 2020   Aktuell - Nie wieder Faschismus

Halle: Anschlag auf Wahlkreisbüro von Dr. Karamba Diaby

Halle gegen rechts zum Anschlag auf das Wahlkreisbüro von Dr. Karamba Diaby

16. Januar 2020

 

In der Nacht zu Mittwoch wurde nach Berichten des Bundestagsabgeordneten Dr. Karamba Diaby (SPD) ein Anschlag auf sein Wahlkreisbüro in Halle (Saale) verübt, wir berichteten. Der Anschlag erschreckt auch „Halle gegen Rechts – Bündnis für Zivilcourage.“

 

Das Bündnis teilt uns mit: Es zeigt sich dabei ein alarmierendes Maß an Gewalt, insbesondere vor dem Hintergrund, dass Angriffe auf Politikerinnen und Politiker weiter zunehmen. Gleichzeitig sind sie nicht neu, spätestens seit dem Rücktritt von Markus Nierth in Tröglitz nach Bedrohungen durch die extreme Rechte sind die Sicherheitsbehörden aufgefordert, potentiell Betroffene zu schützen. Polizei und Staatsanwaltschaft müssen den Fall schnell und umfassend aufklären, die Hintergründe des Anschlags ermitteln und bekannt machen. Halle gegen Rechts – Bündnis für Zivilcourage erklärt sich mit Dr. Karamba Diaby solidarisch, der seit Jahren die Aktivitäten des Bündnisses unterstützt und immer wieder Rassismus und Bedrohungen durch die extreme Rechte ausgesetzt ist und seine Arbeit dennoch engagiert fortsetzt.

Netzwerke von Tätern

Wir fordern die Sicherheitsbehörden auf, endlich auch die Netzwerke hinter Angriffen auf Politikerinnen und Politiker zu ermitteln, die wie im Fall Walter Lübcke bis in den NSU-Komplex reichen und nahezu immer mit weiteren Aktivitäten der extremen Rechten verbunden sind. Doch während Strafverfolgung nur nachlaufend nach Taten geschehen kann, ist für ihre Verhinderung eine gesellschaftlich-politische Auseinandersetzung notwendig, die Täter_innen Netzwerke, Rückhalt und damit vermeintliche Legitimation entzieht. Dazu braucht es eine starke Zivilgesellschaft, um der extremen Rechten und der mit ihr zwangsläufig einhergehenden Gewalt wirksam zu begegnen. Es genügt nicht, Anschläge zu bedauern.

Hintergrund:

»Halle gegen Rechts – Bündnis für Zivilcourage« ist ein überparteiliches Bündnis aus über 100 Einzelpersonen und mehr als 30 Organisationen aus Halle, das sich entschieden gegen die extreme Rechte, Rassismus, Antisemitismus und andere Formen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit sowie gegen jede Diskriminierung und für Zivilcourage einsetzt. Im Jahr 2017 wurde es als »Botschafter für Demokratie und Toleranz« durch das von den Bundesministerien des Inneren und der Justiz getragene BfDT ausgezeichnet.

 

Suche

 
 
 
 

Europawahl 2019

 

Konversion statt Aggression

 

Fraktion DIE LINKE: PLAN B

 

Rosa Luxemburg Stiftung

 
 

Besucherzähler

Heute10
Gestern15
Woche68
Monat51
Insgesamt75170
 

Anmeldung