09. Oktober 2021   Aktuell

Friedensnobelpreis - der Westen und sein zweierlei Maß

 
 
 
 

Eigener Beitrag: Roswitha Engelke
 
 
„Solange ich noch Atem und Kraft habe, werde ich nicht aufhören der Wahrheit nachzuforschen und Euch zu mahnen und aufzuklären und jedem von euch, mit dem mich der Zufall zusammenführt, in meiner gewohnten Weise ins Gewissen zu reden.“ (Sokrates, Apologie, 29d)
 
Die Friedensnobelpreisträger 2021: Maria Ressa und Dmitri Muratow. Warum nicht auch Julian Assange?
 
Der Chefredakteur der "Nowaja Gaseta", Dmitri Muratow, ist mit dem Friedensnobelpreis 2021 ausgezeichnet worden. Der Preis rief in der russischen Gesellschaft unterschiedliche Reaktionen hervor, wie man sich gut vorstellen kann. Westliche Medien loben zu Recht den mutigen Einsatz beider Journalisten für die Pressefreiheit, nutzen aber gleichzeitig die Gunst der Stunde, um nebenher gegen die russische Regierung zu propagieren, während sie das philippinische Duterte-Regime außen vor lassen.

Maria Ressa: Sie deckt Missstände und Korruptionsskandale auf und richtet sich gegen  die fragwürdige Politik des philippinschen Präsidenten Rodrigo Duterte. Duterte bedient sich zur Bekämpfung der Kriminalität im Land paramilitärischer Trupps – sogenannter Todesschwadronen – die über 1000 illelegale Hinrichtungen vorgenommen haben sollen. Unter den Opfern waren Amnesty International zufolge vorwiegend jugendliche Gangmitglieder aus ärmeren Stadtteilen und kleinkriminelle Straßenkinder, aber auch Mitglieder der linken Oppositionspartei Akbayan.

Dmitri Muratow: Amtiert seit über 25 Jahren mit einer kurzen Unterbrechung als Chefredakteur der Moskauer „Nowaja Gaseta“. Unter seiner Führung wurde die „Nowaja Gaseta“ trotz ihrer stets überschaubaren Auflage zu einer der meistzitierten journalistischen Adressen Russlands. Für seine Arbeit als Chefredakteur  erhielt er bereits zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Preis der deutschen Lutherstädte „Das unerschrockene Wort“ und den Henri-Nannen-Preis.

Es ist jedoch "verwunderlich", dass aus der westlichen Medienszene niemand fragt, warum das norwegische Nobelkomitee nicht einen Dritten für seinen Einsatz um die Meinungsfreiheit auszeichnete. Einen, der mit seiner Enthüllungsplattform WikiLeaks etliche Verbrechen der USA und weiterer Staaten aufgedeckt hat, der von der CIA verfolgt wurde, der seit Jahr und Tag in britischer Einzelhaft gefangen gehalten wird und den die us-amerikanische Justiz liebend gern zu 175 Jahren Knast verurteilen würde "Julian Assange".

Investigativer Journalismus ist in den politischen Sauberländern des Westens nicht weniger gefährlich als anderswo. Assange hätte schon lange für seine Veröffentlichungen auf Wikileaks mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet werden müssen. Dass es nicht so ist, spricht nicht eben wirklich für Durchblick und Objektivität des Nobel-Komitees in Oslo.

Hätten Ressa und Muratow Bürger enthüllend über Verbrechen der USA und ihrer Verbündeten berichtet, wären sie wohl noch genauso  weit entfernt von dieser Auszeichnung wie der Wiki-Leaks-Gründer Assange! Wer weiß, vielleicht säßen sie in dem Fall sogar zu dritt im britischen Knast?

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