Soziales

09. Juli 2019   Themen - Soziales

Arbeitszeitgesetz: Weniger Kontrollen, viele Verstöße

Auswertung der Antwort der Bundesregierung vom 2. Juli 2019 auf die Kleine Anfrage »Kontrolle des Arbeitszeitgesetzes in Deutschland« (BT-Drs. 19/10554) von Susanne Ferschl u.a. und der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag


Zusammenfassung:

 

In vielen Bundesländern ist die Zahl der Aufsichtsbeamten für die Einhaltung der Arbeitsschutzgesetze rückläufig. Auch die Zahl der Kontrollen zur Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes ist zum Teil deutlich zurückgegangen. 

Die Zahl der Aufsichtsbeamten ist von 2017 zu 2018 in acht Bundesländern gesunken, in sechs Bundesländern gleich geblieben oder gestiegen (für zwei Bundesländer liegen keine vergleichbaren Zahlen vor). Im Fünf-Jahres-Vergleich (2013-2018) ist die Zahl der Aufsichtsbeamten sogar in zehn Bundesländern gesunken. 

Die Zahl der Kontrollen des Arbeitszeitgesetzes ist im Jahr 2018 im Vergleich zu 2017 in neun Bundesländern gesunken und in sieben Bundesländern angestiegen. Im Fünf-Jahres-Vergleich ist die Zahl der Kontrollen sogar in elf Bundesländern gesunken, in sechs Bundesländern sogar um über 40 Prozent. Zahlen zur Kontrolldichte (Verhältnis Kontrollen und zu kontrollierende Betriebe), die nur für wenige Bundesländer vorliegen, reichen von 0,3 bis 3,17 Prozent.

 

 

Die Zahl der aufgedeckten Verstöße und die Zahl der Beanstandungen sind dagegen zum Teil sehr hoch. So wurden in Bayern bei 4.318 Kontrollen 3.026 Verstöße festgestellt, im Saarland bei 90 Kontrollen sogar mehr als 2.000 Verstöße und in Nordrhein-Westfalen bei 1.733 Kontrollen immerhin 1.567 Verstöße/Beanstandungen. 

 

Dazu erklärt Susanne Ferschl, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Fraktion DIE LINKE:

„Der Schutz des Arbeitszeitgesetzes steht für die Beschäftigten nur auf dem Papier. Denn ganz offensichtlich fehlt dieser Regierung der politische Wille, die Durchsetzung ihrer eigenen Gesetze durch Kontrollen auch sicherzustellen. Da kommt das Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Arbeitszeiterfassung genau zur rechten Zeit - das zeigen allein die aufgebrachten Reaktionen der Unternehmensverbände, die vor Überwachung und Kontrolle warnen. Vertrauen ist zwar gut, aber bei der Arbeitszeit ist angesichts von Millionen unbezahlter Überstunden Kontrolle offenbar doch besser. Denn zu lange Arbeitszeiten machen krank."


Ergebnisse im Einzelnen 

09. Juli 2019   Themen - Soziales

Schlechtes Zeugnis für deutsche Supermärkte – Ausbeutung muss durch gesetzliche Regelungen gestoppt werden

DIE LINKE. im Bundestag

Pressemitteilung von Eva-Maria Schreiber, 03. Juli 2019

„Erneut hat Oxfam aufgezeigt, dass Leid, Ausbeutung und Diskriminierung in unseren Lebensmitteln stecken. Aber es geht auch anders, wie Beispiele aus Großbritannien und den Niederlanden zeigen“, erklärt Eva-Maria Schreiber, Obfrau im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung für die Fraktion DIE LINKE, anlässlich der Veröffentlichung des zweiten Supermarkt-Checks durch die britische Entwicklungsorganisation. Schreiber weiter:

„Die Oxfam-Studie weist nach,

dass nur Aldi Süd mit mangelhaft abschneidet, was die Offenlegung von Lieferanten oder die Information über Arbeitsbedingungen betrifft, während alle anderen Supermärkte mit ungenügend durchfallen.

Ohne politische Rahmenbedingungen ändert sich in deutschen Discountern also fast nichts. Die Bundesregierung sollte endlich ihre Hausaufgaben machen und nicht länger auf die Freiwilligkeit der Unternehmen setzen. Lippenbekenntnisse, wie sie Entwicklungsminister Gerd Müller seit Jahren macht, helfen nicht weiter, wenn das Wirtschaftsministerium ein geplantes Lieferkettengesetz, das ich begrüße, im Keim erstickt. Ich bin dafür, dass die Bundesregierung gesetzlich verbindliche Regelungen zu Transparenz, Menschenrechten und angemessenen Löhnen von Kleinbäuerinnen und -bauern für Supermärkte auf den Weg bringt.“

09. Juli 2019   Themen - Soziales

Wenn Diogenes in unserer Gesellschaft leben würde, müßte seine Laterne eine Blendlaterne sein ...

 

 Man erinnert sich?

 Der Kyniker Diogenes von Sinope soll einer Anekdote zufolge am
 helllichten Tag mit einer Laterne in der Hand über den Markt von
 Athen gegangen sein. Er hat dabei jedem ins Gesicht geleuchtet,
 den Kopf geschüttelt und ist weitergegangen. Solange, bis einer ihn
 gefragt hat, was er denn am helllichten Tage mit seiner Laterne
 wolle. „Ich suche einen Menschen“, erwiderte Diogenes.

 

 

 

Beitrag: Roswitha Engelke

 

Ganz selten findet man selbst in unserer antisozialen
Gesellschaft noch Menschen, die nicht anders können als
Zivilcourage zeigen:

  • 65 Migranten vom deutschen Rettungsschiff „Alan Kurdi“ sind nach Armeeangaben am Sonntag in Malta angekommen. 62 von ihnen seien an ein maltesisches Patrouillenboot übergeben worden und am Abend in Malta gelandet, teilte Maltas Armee mit. Drei Migranten, die dringend ärztliche Hilfe brauchten, wurden demnach schon zuvor per Lufttransport geholt. 
  • Zuvor hatten die Kapitänin der Sea Watch 3, Carola Rackete und ihre Crew unter widrigsten Umständen dafür gekämpft, dass 53 gerette Flüchtlinge von europäischen Staaten aufgenommen werden.  Dafür droht ihr in Italien eine Haftstrafe.

Nach der Festnahme der 31-Jährigen in Italien gab es eine Welle der Solidarität. Allein über den Aufruf der Fernsehmoderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf kamen bisher knapp eine Million Euro zusammen.

Von Privatpersonen wohl gemerkt. Die Bundesregierung schweigt sich zu diesem Thema aus.

Julian Assange, der Kriegsverbrechen der USA aufdeckte und an die Öffentlichkeit gebracht hat, wird verhaftet,  ins Gefängnis geworfen und  soll an die Nation ausgeliefert werden, deren Verbrechen er bekannt gemacht hat ... wie perfide!

Kein europäisches Regierungsoberhaupt ist an der Sicherheit und der körperlichen Unversehrtheit Assanges interessiert. Die sonst so ehrpusseligen europäischen Politeliten schweigen sich aus.

Sie bewegen sich unterstützend auf anderem Niveau!

Mit künstlich erzeugten Feindbildern wird das Völkerrecht gebrochen und unter dem Deckmantel Terrorismusbekämpfung werden rohstoffreiche Länder mit Krieg überzogen.

Westlicher Welthandel ruiniert die Wirtschaft von Enwicklungsstaaten.

Mit Land Grabbing oder Landraub sichern sich ausländische Privatinvestoren und Konzerne mit Hilfe von Kauf- oder Pachtverträgen große Flächen an Land in Entwicklungsländern. Die kostbaren Agrarflächen werden von den Investoren zum Anbau von Nahrungsmitteln oder von Pflanzen für die Ökobenzin-Gewinnung genutzt.

Ein UN-Bericht macht die Zerstörung von Ökosystemen für den vorzeitigen Tod von Millionen Menschen weltweit verantwortlich.

Regierungen sind dann gefährlich, wenn sie sich von jeglicher sozialen Entwicklung entfernen und sich unter den Einfluss antisozialer Persönlichkeiten wie Großkapitalisten begeben, deren Mantra "Gewinnmaximierung" heißt. Das Ergebnis war bisher der Untergang von vielen Zivilisationen. Das kann in jedem Geschichts- und Soziologielehrbuch nachgelesen werden.

 

 

 

 

09. Juli 2019   Themen - Soziales

Kleinbauern in Brasilien: Auf unseren Plantagen wächst Soja, aber wir essen kein Soja!

Damit wir in Europa mit ressourcenschonendem Biosprit unsere Verkehrströme weiter fließen lassen können werden in Lateinamerika Urwälder gerodet, um riesige Ackerflächen für "Spritpflanzen" zu bekommen. Die Großgrundbesitzer provitieren davon, der Kleinbauer kann sich nur unter immer größer werdenden Schwierigkeiten selbst versorgen. R. Engelke

Bericht von FIAN Deutschland e.V.

Nacente Urucui, ein Bauer in Melancia, einer Gemeinde im Nordwesten Brasiliens zeigt uns seine Feldfrüchte: "Wir ernten viel weniger als früher, denn wir haben fast kein Land mehr. Auch wächst alles viel kleiner, weil zu wenig Wasser da ist".

Neben dem Dorf erstrecken sich Soja-Plntagen wie eine gelbe Wüste bis zum Horizont. Soja aber wird, wie Zuckerrohr oder Ölpalmen, nicht für die Ernährung der Bevölkerung angebaut, sondern für den Export. Und der hohe Wasserverbrauch der Plantagen lässst Brunnen und Wasserläufe der Gemeinde vertrocknen.

Stimmen wie die von Nacente Uruci hören wir überall in Lateinamerika. Allein seit der Jahrtausendwende wurde der Anbau von Zuckerrohr und Soja um 40 Millionen Haktar ausgeweitet. Dies entspricht etwa der gesamten Ackerfläche von Frankreich, Polen und Deutschland. 40 % der Produktion werden nach Europa exportiert und dienen dort meist als Tierfutter oder Biosprit.

Es gibt unzählige Landkonflikte und Vertreibungen. Immer mehr Agrarland gelangt in den Besitz weniger Großfarmer. In Brasilien bewirtschaftet 1 % der Landbesitzer 47,5 % der Agrarfläche. Armut und Hunger in ländlichen Gebieten sind die Folge.

 

03. Juli 2019   Themen - Soziales

Arbeitsrecht - Supermarkcheck


Zeugnis-Zeit!

Ein Jahr ist es her, dass wir uns im großen Supermarkt-Check die Menschenrechte in den Lieferketten angeguckt haben. Das Ergebnis 2018: katastrophal. Die vier großen deutschen Ketten Aldi, Edeka, Lidl und Rewe belegten im internationalen Vergleich die letzten Plätze.

Immerhin, 2019 hat sich zumindest etwas getan: Vor allem Aldi Süd hat aufgeholt, auch Rewe und Lidl haben sich etwas verbessert. Aufgerüttelt durch unsere Kampagne, bei der Oxfam-Unterstützer*innen vor Aldi-Filialen protestierten, haben alle drei erste Schritte unternommen. So hat Aldi Süd zum Beispiel einen Menschenrechtsbeauftragten eingesetzt. Rewe will darüber hinaus noch einen Beschwerdemechanismus für Betroffene von Menschenrechtsverletzungen einrichten.


 
    Zum Supermarkt-Check   
   
       
       
Allerdings: Umgerechnet in Schulnoten würde Aldi Süd mit mangelhaft abschneiden, alle anderen sind mit ungenügend durchgefallen. Mit Blick auf die durch Oxfam aufgestellten Kriterien schaffte auch der deutsche „Klassenbeste“ nur 19 von 100 Prozent, wie der aktuelle Check zeigt.
 
Es bleibt also weiter viel zu tun. In deutschen Märkten werden noch immer Billigprodukte angeboten, die auf Kosten der Arbeiter*innen in den Produktionsländern hergestellt werden. Die Konzerne müssen hier Verantwortung übernehmen, denn: Arbeits- und Menschenrechte sind kein schmückendes Beiwerk, sondern Mindestanforderungen nach internationalen Standards.

Helfen Sie, auch weiterhin Druck auf die Supermärkte auszuüben und fragen Sie nach, was Ihr Supermarkt für Menschenrechte tut!

Herzliche Grüße

Christin Becker
Kampagnenkoordinatorin

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